Das KGV ist die bekannteste Bewertungskennzahl an der Börse. Es ist schnell berechnet, aber ohne Zusammenhang leicht falsch gelesen.

Kaum eine Kennzahl wird so oft zitiert wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Es setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Notiert eine Aktie bei 50 Euro und erzielt das Unternehmen einen Gewinn von 5 Euro je Aktie, liegt das KGV bei 10.
Anschaulich gesprochen zeigt das KGV, wie viele Jahre es bei gleichbleibendem Gewinn dauern würde, bis der Kurs rechnerisch verdient ist. Darin liegt seine Stärke: Es macht Unternehmen unterschiedlicher Größe vergleichbar.
Die erste Frage lautet, welcher Gewinn in die Rechnung eingeht. Das historische KGV nutzt den Gewinn der vergangenen zwölf Monate. Das erwartete KGV stützt sich auf Schätzungen für das laufende oder kommende Jahr. Beide Werte können deutlich auseinanderliegen, vor allem bei Unternehmen im Umbruch.
Hinzu kommen Sondereffekte. Ein einmaliger Veräußerungsgewinn senkt das KGV, ohne dass sich am Geschäft etwas geändert hat. Eine hohe Abschreibung treibt es nach oben. Erst der Geschäftsbericht zeigt, ob ein Gewinn wiederkehrend ist.
Ein niedriges KGV bedeutet nicht automatisch, dass eine Aktie günstig bewertet ist. Es kann auch anzeigen, dass der Markt mit sinkenden Gewinnen rechnet. Umgekehrt kann ein hohes KGV Ausdruck stark steigender Gewinnerwartungen sein.
Schwierig wird es bei zyklischen Branchen wie Rohstoffen, Chemie oder Autoherstellern. Auf dem Höhepunkt eines Zyklus sind die Gewinne hoch und das KGV niedrig, am Tiefpunkt ist es umgekehrt. Bei Unternehmen ohne Gewinn lässt sich das KGV gar nicht sinnvoll berechnen.
Vergleiche ergeben deshalb meist nur innerhalb einer Branche Sinn. Ein Softwareanbieter und ein Versorger arbeiten mit unterschiedlichen Wachstumsraten, Margen und Kapitalbedarfen.
Um Zyklen zu glätten, hat der Ökonom Robert Shiller eine Variante bekannt gemacht: das zyklisch bereinigte KGV, auch CAPE genannt. Es setzt den Kurs ins Verhältnis zum inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der vergangenen zehn Jahre. Shiller veröffentlicht die zugrunde liegenden Daten für den US-Aktienmarkt bis zurück ins Jahr 1871.
Auch das Shiller-KGV ist kein Zeitsignal. Es beschreibt das Bewertungsniveau eines Gesamtmarkts. Für die Einordnung einzelner Unternehmen bleibt das KGV ein Ausgangspunkt, der erst zusammen mit Wachstum, Verschuldung und Cashflow ein Bild ergibt.
Robert J. Shiller, US Stock Price, Earnings and Dividends as well as Interest Rates and Cyclically Adjusted Price Earnings Ratio (CAPE) since 1871: shillerdata.com

Rechenzentren verbrauchen rund 1,5% des weltweiten Stroms. Laut Internationaler Energieagentur dürfte sich ihr Bedarf bis 2030 mehr als verdoppeln.