Normalerweise bringen lange Laufzeiten höhere Zinsen als kurze. Kehrt sich das um, gilt das als eines der bekanntesten Warnsignale für die Konjunktur.

Die Zinsstrukturkurve zeigt, welche Rendite Staatsanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten abwerfen, von wenigen Monaten bis zu dreißig Jahren. Im Normalfall steigt die Kurve an: Wer sein Geld länger bindet, verlangt dafür einen Aufschlag.
Liegt die Rendite kurzer Laufzeiten über der langer Laufzeiten, spricht man von einer inversen Zinskurve. Das geschieht typischerweise, wenn die Notenbank die Leitzinsen anhebt, um die Inflation zu bremsen, während der Markt für die Zukunft mit niedrigeren Zinsen und schwächerem Wachstum rechnet.
Die Federal Reserve Bank of New York nutzt die Steigung der Zinskurve in einem eigenen Modell, um die Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession in den folgenden zwölf Monaten zu schätzen. Als Maß dient der Abstand zwischen der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen und dreimonatiger Schatzwechsel.
Die New Yorker Fed verweist dabei auf Forschung, nach der die Zinskurve andere finanzielle und makroökonomische Indikatoren bei der Vorhersage von Rezessionen zwei bis sechs Quartale im Voraus deutlich übertrifft.
Die New Yorker Fed weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Wahrscheinlichkeitsschätzungen keine offiziellen Prognosen sind. Der Abstand zwischen einer Inversion und einem möglichen Abschwung schwankt erheblich, und Einflüsse wie Anleihekäufe der Notenbanken werden in der Fachdiskussion als mögliche Verzerrung genannt.
Die Zinsstrukturkurve ist daher kein Kalender für die Konjunktur, sondern ein Hinweis darauf, wie der Anleihemarkt die Zukunft einschätzt. Gerade deshalb wird sie von Notenbanken, Volkswirten und Marktteilnehmern genau verfolgt.
Federal Reserve Bank of New York, The Yield Curve as a Leading Indicator: newyorkfed.org

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