Anders als Gold wird Silber zu einem großen Teil in der Industrie verbraucht. Das prägt Nachfrage, Angebot und Preisverhalten des Metalls.

Silber wird oft in einem Atemzug mit Gold genannt. In seiner Nachfragestruktur unterscheidet es sich jedoch deutlich. Ein großer Teil des Silbers wird nicht als Wertanlage gehalten, sondern in Produkten verbaut.
Nach Angaben des Silver Institute, das seine jährliche Marktstudie gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Metals Focus erstellt, lag die weltweite Silbernachfrage 2024 bei 1,16 Milliarden Unzen. Davon entfielen 680,5 Millionen Unzen auf industrielle Anwendungen, also fast 60%. Die industrielle Nachfrage erreichte damit das vierte Jahr in Folge einen Rekord.
Silber leitet Strom und Wärme besser als jedes andere Metall. Es steckt deshalb in Elektronik, Solarzellen, Fahrzeugen und Lötlegierungen. Das Silver Institute nennt als Wachstumstreiber den Ausbau der Stromnetze, die Elektrifizierung von Fahrzeugen, die Photovoltaik sowie Anwendungen rund um künstliche Intelligenz.
Gleichzeitig wird an Einsparungen gearbeitet. Laut Silver Institute haben technische Fortschritte in der Photovoltaik den Silbereinsatz je Solarzelle deutlich verringert.
Auch beim Angebot unterscheidet sich Silber von Gold. Ein erheblicher Teil fällt als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle an. Die wichtigste Quelle sind laut Silver Institute Blei- und Zinkminen. Größtes Förderland war 2024 Mexiko, gefolgt von China, Peru, Bolivien und Chile.
Daraus folgt eine Besonderheit: Steigt der Silberpreis, reagiert das Angebot nur begrenzt, weil die Förderentscheidung oft von anderen Metallen abhängt. Ergänzt wird das Angebot durch Recycling, das 2024 mit 193,9 Millionen Unzen ein Zwölfjahreshoch erreichte. Insgesamt übertraf die Nachfrage das Angebot 2024 laut Silver Institute das vierte Jahr in Folge.
Silber vereint damit zwei Eigenschaften: Es wird wie Gold als Wertaufbewahrungsmittel nachgefragt und zugleich als Industriemetall verbraucht. Beide Nachfragequellen können sich unterschiedlich entwickeln. Das erklärt, warum sich der Silberpreis zeitweise stärker am Goldpreis und zeitweise stärker an der Industriekonjunktur orientieren kann.
The Silver Institute, „Silver Industrial Demand Reached a Record 680.5 Moz in 2024“, 16. April 2025: silverinstitute.org
The Silver Institute, Silver Supply & Demand: silverinstitute.org

Rechenzentren verbrauchen rund 1,5% des weltweiten Stroms. Laut Internationaler Energieagentur dürfte sich ihr Bedarf bis 2030 mehr als verdoppeln.