Seltene Erden: Der Engpass liegt in der Verarbeitung, nicht im Boden

Seltene Erden sind weniger selten, als ihr Name vermuten lässt. Knapp ist etwas anderes: die Kapazität, sie zu trennen und zu Magneten zu verarbeiten.

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Veröffentlicht 

Nov 7, 2026

Seltene Erden: Der Engpass liegt in der Verarbeitung, nicht im Boden

Der Name führt in die Irre. Seltene Erden sind in der Erdkruste nicht besonders selten. Nach Angaben des U.S. Geological Survey (USGS) belaufen sich die bekannten weltweiten Reserven auf mehr als 85 Millionen Tonnen Seltenerdoxid. Die weltweite Minenförderung lag 2025 bei rund 390.000 Tonnen.

Knapp ist nicht der Rohstoff. Knapp ist die Fähigkeit, ihn nutzbar zu machen.

Vom Erz zum Magneten

Seltene Erden kommen in der Natur fast nie einzeln vor. Ein Erz enthält meist eine Mischung mehrerer der 17 Elemente, die sich chemisch sehr ähnlich sind. Um daraus ein reines Oxid zu gewinnen, etwa Neodym oder Dysprosium, sind lange Ketten aufeinanderfolgender Trennschritte nötig.

Erst danach folgen die Herstellung von Metallen und Legierungen und schließlich die Fertigung von Permanentmagneten. Diese Magnete stecken in Elektromotoren, Windturbinen und vielen Industrieanwendungen. Jede Stufe erfordert eigenes Know-how, eigene Anlagen und eigene Genehmigungen.

Konzentration auf ein Land

Bei der Förderung ist China der größte Produzent. Laut USGS stammten 2025 rund 270.000 der weltweit 390.000 Tonnen aus China, also knapp 70%. Bei der Verarbeitung ist die Konzentration noch ausgeprägter.

Die Internationale Energieagentur (IEA) stellt in ihrem Global Critical Minerals Outlook 2025 fest, dass China bei 19 von 20 untersuchten energiebezogenen Mineralien der größte Raffinadeproduzent ist, mit einem durchschnittlichen Marktanteil von rund 70%. Auch das Wachstum der vergangenen Jahre kam bei raffinierten Seltenen Erden laut IEA ganz überwiegend aus China.

Der Ausblick zeigt nur eine langsame Verschiebung. Für 2035 erwartet die IEA, dass China weiterhin rund 80% der raffinierten Seltenen Erden liefert.

Warum das für die Märkte relevant ist

Ein konzentriertes Angebot macht Preise und Lieferketten anfällig für politische Entscheidungen. Die IEA erinnert daran, dass die Preise für Seltene Erden 2010 um bis zum Zehnfachen stiegen, als China Exporte zurückhielt. Im April 2025 verschärfte China erneut seine Exportkontrollen, wie der USGS festhält.

Gleichzeitig entstehen Alternativen. Laut IEA gibt es umfangreiche Vorkommen unter anderem in Australien, Brasilien und Vietnam, während Europa, Malaysia und die USA in Trennanlagen investieren. Kapazitäten für Permanentmagnete werden in Europa, Japan, Korea und den USA aufgebaut.

Der Aufbau solcher Anlagen dauert jedoch Jahre. Für die Einordnung neuer Projekte ist deshalb weniger die Fundmeldung entscheidend als der Fortschritt bei Trennung, Metallherstellung und Magnetfertigung. Dort entscheidet sich, wie schnell sich die Abhängigkeit tatsächlich verringert.

Quellen

U.S. Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2026, Rare Earths: pubs.usgs.gov

IEA, Global Critical Minerals Outlook 2025, Executive summary: iea.org

IEA, Global Critical Minerals Outlook 2025, Overview of outlook for key minerals: iea.org

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