Wind- und Solarprojekte entstehen schneller, als Netze gebaut werden können. Weltweit warten Tausende Gigawatt an Leistung auf einen Anschluss.

Über den Ausbau erneuerbarer Energien wird viel gesprochen, über die Leitungen, die den Strom transportieren, deutlich weniger. Dabei entscheiden die Netze darüber, wie schnell neue Anlagen tatsächlich Strom liefern können.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat in ihrem 2023 veröffentlichten Bericht „Electricity Grids and Secure Energy Transitions“ ermittelt, dass weltweit mindestens 3.000 Gigawatt an Projekten für erneuerbare Energien auf einen Netzanschluss warten. Rund 1.500 Gigawatt davon befanden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Das entsprach dem Fünffachen der 2022 neu installierten Solar- und Windleistung.
Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen. Daten zu solchen Warteschlangen lagen nur für Länder vor, die etwa die Hälfte der weltweiten Wind- und Solarkapazität abdecken.
Ein Kern des Problems sind die Vorlaufzeiten. Laut IEA dauert es häufig fünf bis 15 Jahre, neue Netzinfrastruktur zu planen, zu genehmigen und fertigzustellen. Neue Projekte für erneuerbare Energien benötigen dagegen ein bis fünf Jahre, neue Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge weniger als zwei Jahre.
Auch die Investitionen haben sich ungleich entwickelt. Während sich die Investitionen in erneuerbare Energien seit 2010 laut IEA nahezu verdoppelt haben, verharrten die weltweiten Netzinvestitionen bei rund 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
Um die nationalen Klimaziele zu erreichen, müssten nach Berechnungen der IEA bis 2040 insgesamt mehr als 80 Millionen Kilometer Netze neu gebaut oder modernisiert werden. Das entspricht dem gesamten bestehenden globalen Netz. Die jährlichen Netzinvestitionen müssten sich dafür bis 2030 auf über 600 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppeln.
Für Energieversorger, Netzbetreiber und Hersteller von Kabeln, Transformatoren und Schaltanlagen ist der Netzausbau damit ein langfristiges Thema. Wie schnell er vorankommt, hängt vor allem von Planung, Genehmigungsverfahren und Regulierung ab.
IEA, Electricity Grids and Secure Energy Transitions, Executive summary, 2023: iea.org

Rechenzentren verbrauchen rund 1,5% des weltweiten Stroms. Laut Internationaler Energieagentur dürfte sich ihr Bedarf bis 2030 mehr als verdoppeln.